Dr. Ina Hein

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Dissertation

 

 

 

 

„Zwischen Aufbruch und Konventionen: Konstruktionen von ‚Geschlecht’ und Paarbeziehungen in ausgewählten Werken populärer japanischer Gegenwartsautorinnen“, eingereicht im Januar 2002 am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Trier

 

 

Betreuerinnen:

-         Prof. Dr. Hilaria Gössmann (Universität Trier)

-         Prof. Yonaha Keiko (Tôyô Eiwa Jogakuin Daigaku, Yokohama)

 

 

Zweitgutachten:

-         Prof. Dr. Michiko Mae (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

 

 

Die Dissertation wurde im November 2004 mit dem Förderpreis der Universität Trier ausgezeichnet. Sie ist 2008 im iudicium-Verlag erschienen.

 

Abstract:

Die Arbeit, die literarische Konstruktionen von Männlichkeiten, Weiblichkeiten und Geschlechterbeziehungen in den Werken von vier japanischen Gegenwartsschriftstellerinnen untersucht, versteht sich als literaturwissenschaftlicher Beitrag zu den Gender Studies aus japanologischer Perspektive. In vier Einzelanalysen exemplarisch ausgewählter Werke aus den 1970er und 80er Jahren wird den Strategien nachgegangen, die vier Autorinnen – Mori Yôko, Ochiai Keiko, Yamada Eimi und Yoshimoto Banana – nutzen, um sich kritisch mit dem Themenkomplex von ‚Geschlecht’ und Paarbeziehungen auseinander zu setzen. Mit Ausnahme von Yoshimoto Banana haben diese Autorinnen in der japanbezogenen literaturwissenschaftlichen Forschung bislang nur wenig Beachtung gefunden.

In ihren Werken ringen Mori, Ochiai, Yamada und Yoshimoto deutlich erkennbar mit dem herrschenden Geschlechterdiskurs. In Moris (1940-1993) Roman Onnazakari („Die besten Jahre einer Frau“; 1984) findet sich eine eher verhaltene Kritik am patriarchalen Geschlechterverhältnis. Die Frauenfiguren leiden zwar unter den an sie gestellten traditionellen Rollenerwartungen und versuchen, ihre eigenen Lebensträume zu verwirklichen; jedoch vermögen sie nicht wirklich aus den Konventionen auszubrechen.

Yamada (*1959) dagegen provoziert durch Tabubrüche und Umkehrungen im Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern. In Bedtime Eyes (1985) gestaltet sie eine erotische Beziehung der japanischen Protagonistin zu einem afroamerikanischen Mann und spürt so einer neuen Form des Geschlechterverhältnisses nach. Das von der Autorin geschaffene Ideal ‚afroamerikanischer Männlichkeit’, mit dem sie auf das ‚ethnisch Andere’ ausweicht, dient implizit dazu, japanische Männlichkeitsnormen in Frage zu stellen und gleichzeitig von Leidenschaft und Begehren geprägte Paarbeziehungen zu konstruieren.

Die bekannte Feministin Ochiai (*1945) wiederum betont in ihrem Roman Ai suredo hitori („Ich liebe, aber bin allein“; 1978) die Unabhängigkeit und Individualität ihrer Figuren. Damit propagiert sie ein von der Geschlechtszugehörigkeit losgelöstes Verständnis von Identität - für die Autorin die Grundvoraussetzung dafür, dass gleichberechtigte Beziehungen zwischen Mann und Frau entstehen können.

Die Erzählung Kitchen (1988) von Yoshimoto Banana (*1964) schließlich wartet mit androgynen Figuren auf, deren Beziehungen untereinander - statt von der klassischen pragmatischen Rollentrennung - vom Gefühl einer tiefen Seelenverwandtschaft bestimmt sind. Yoshimoto gibt hier eine binär angelegte, statische Konzeption von ‚Geschlecht’ auf: Im Text wird auf die Möglichkeit verwiesen, über die eigene Geschlechtszugehörigkeit frei zu entscheiden. ‚Geschlecht’ hat hier ganz klar Performanzcharakter und wird damit als konstruierte Kategorie offengelegt.

           Zwar werden die dem herrschenden Geschlechterdiskurs zugrunde liegenden Strukturen in keinem der analysierten Werke radikal in Frage gestellt. Der Raum innerhalb dieser Strukturen jedoch wird zum kritischen Spiel mit ‚Geschlecht’ und zum Experimentieren mit verschiedenen Formen von Geschlechter­beziehungen genutzt. Obwohl populäre Literatur immer auch konventionellen Strukturen folgt, zeugen alle vier Werke von einer intensiven Suche nach neuen Formen des Geschlechterverhältnisses und brechen mit gängigen Stereotypen über Geschlechterbeziehungen in Japan.

 

 

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