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Habilitationsvorhaben
"Hybridität,
Transkulturalität, chanpuru-Kultur?
Okinawa-Diskurse im gegenwärtigen Japan"
(Arbeitstitel)
Das
Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Frage nach der diskursiven
Konstruktion von kulturellen
Identitäten. Kulturen werden hier nicht mehr als auf die Nation bezogene,
in sich geschlossene Einheiten verstanden, sondern als durchlässige
Gebilde, die durch vielfältige Vernetzungen miteinander verbunden sind
bzw. sich gegenseitig durchdringen und sich dadurch auch verändern können.
Damit trägt das Vorhaben einem neueren Kulturverständnis Rechnung, wie
es sich z.B. in Konzepten wie ‚Hybridität’ (nach Bhabha) oder auch
‚Transkulturalität’ (nach Welsch) ausdrückt. Es stellt so explizit
die Vorstellung von einem homogenen Japan in Frage, die während des
japanischen Modernisierungsprozesses ab Mitte des 19. Jahrhunderts
entstanden ist und sich seitdem als herrschender Diskurs etabliert hat. Eine
Beschäftigung mit der transkulturellen Verfasstheit Japans soll am
Fallbeispiel Okinawas erfolgen. Erst
im Jahr 1879 als Präfektur in den modernen
japanischen
Nationalstaat eingegliedert,
ist es heute zwar Bestandteil Japans, wird aber dennoch als ‘Peripherie’
verstanden und als kulturell
‚anders’ imaginiert. Entsprechend werden um die Kultur, Zugehörigkeit
und Identität Okinawas vielfältige Debatten geführt. Bei
den unterschiedlichen Versuchen, die Kultur Okinawas zu definieren,
dienen ‚Asien’, ‚Japan’ und der ‚Westen’ (bzw. die USA) als
die wichtigsten Bezugspunkte. Einerseits sind hier Kulturdiskurse
auszumachen, die nach wie vor abgrenzend und ausschließend wirken.
Andererseits aber wird häufig auch gerade das Heterogene und Vermischte
der Kultur Okinawas betont: Okinawa wird vielerorts als hybrides Gebilde
konstruiert, das sich gerade durch ein Vermischen der Elemente
verschiedener Kulturen auszeichnet
und damit die japanische Homogenitätsbehauptung herausfordert. Materialbasis
für das Forschungsvorhaben sollen theoretische
Schriften von Intellektuellen, Filme und literarische Werke von Autor/inn/en
aus Okinawa sein, in denen die kulturelle Positionierung Okinawas im Verhältnis
zu Japan im Vordergrund steht.
Anhand ausgewählter Beispiele soll herausgearbeitet werden, wie die Frage
der kulturellen Identität von unterschiedlichen okinawanischen (und damit
nicht-hegemonialen) Standpunkten heraus verhandelt wird. Werden aufgrund
der besonderen Position Okinawas innerhalb Japans - es ist zwar ein Teil
Japans, aber gleichzeitig auch wieder nicht - womöglich Entwürfe neuer,
grenzüberschreitender Kulturkonzepte sichtbar? Und auf welche Weise wird
die Frage der Kultur mit anderen Kategorien der Identitätsbestimmung (wie
Geschlecht oder Klasse) verknüpft?
Bei der Diskursanalyse ist dabei auch den unterschiedlichen
(politischen) Motivationen Rechnung zu tragen, aus denen heraus sich die
Beteiligten äußern, um der Frage nachgehen zu können, wie und mit
welchem Ziel die Vorstellung ‚kultureller Identität’
instrumentalisiert wird. Die
Entwicklung der kulturellen Positionierung Okinawas ist dabei selbstverständlich
im historischen Kontext zu sehen. In der Nachkriegszeit lassen sich grob
drei Phasen unterscheiden: Erstens die Zeit der amerikanischen Besatzung
(1945-1972), in der mit dem Argument der kulturellen Zugehörigkeit
Okinawas zu Japan auch der politische Wiederanschluss an Japan gesucht
wurde; zweitens die Phase zwischen 1972 und den 1990er Jahren, die - nach
der Rückgabe Okinawas an Japan durch die USA - von einer
Desillusionierung gegenüber Japan geprägt war; und drittens die
Entwicklungen ab den 1990er Jahren, die in den Kontext weltweiter
Re-Ethnisierungstendenzen im Zusammenhang mit dem Globalisierungsprozess
einzuordnen sind. Die vorherrschenden Diskursstränge der ersten beiden
Phasen sollen anhand der vorliegenden Forschungsliteratur aufgearbeitet
werden; der Schwerpunkt der eigenen Forschung anhand konkreter Beispiele
wird auf der Zeit ab den 1990er Jahren liegen.
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